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Dieses Foto war eines, was bei unserer letzten Recherche in Bodzentyn gemacht wurde: ein schwer verletztes Rind.

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Erstmals war es auf dem Marktplatz an einem "Rindermarkttag" menschen- und tierleer ...

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Mit Schlössern und Polizeisiegel ... das versperrte Einfahrtstor zum Marktplatz in Bodzentyn ...

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Rundherum am Zaun befestigt: Hinweistafeln, dass der Markt geschlossen wurde ...

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Heftige Diskussionen zwischen TierschützerInnen und Händlern zeigen die zwei gespannten Fronten im Umgang mit den Tieren auf. Das polnische Fernsehen war live dabei ...

Geschlossener Rindermarkt in Bodzentyn: Was ist die Lösung ?

Ein Team der Tier-WeGe machte sich vergangenes Wochenende erneut auf den Weg nach Bodzentyn, Polen. Grund war die Überprüfung, ob der Rindermarkt tatsächlich geschlossen war. Das war er: Die Polizei hatte das Einfahrtstor versiegelt und war vor Ort. Doch die wenigen Bauern, die trotz der Marktschließung gekommen waren, veranstalteten den Markt schließlich illegal an anderer Stelle ! In Rekordzeit wurden die Rinder von einem Transporter in den nächsten verladen und wieder waren Missstände bei den Tieren zu sehen ...


In den frühen Morgenstunden konnten wir uns schon das erste Bild des Marktes machen. Die Eingänge zum Marktplatz waren von der Polizei abgeriegelt worden und Viehhändler, die trotz der angekündigten Schließung hingefahren waren, wurden abgewiesen und weggeschickt.

Große Anspannung lag in der Luft - erkennen durften uns die Händler nicht ! Immer wieder hörten wir von verärgerten Männern, die sich auf polnisch unterhielten "…Austria, Austria, …“

Wir vermuteten bereits, dass sich die Bauern und Händler an einem anderen Ort treffen würden. Nach längerer Beobachtung machte sich dann unsere Befürchtung wahr: Ca. 10 km von Bodzentyn entfernt, trafen sich die Viehhändler in einem Waldstück und veranstalteten dort einen völlig illegalen Markt ...

Wir hielten unsere Augen offen und einige AktivistInnen beschlossen - trotz der großen Gefahr, dort erkannt zu werden - den illegalen „Rindermarkt“ zu besuchen, um sich Eindrücke zu verschaffen und Beweise zu sammeln.

Auf dem „Markt“ herrschte pure Hektik: Rinder wurden direkt auf der Straße aus den Lkw´s herausgezerrt und in einen nächsten eingeladen. Wieder wurden Schläge und Tritte für die Tiere beobachtet, einige Rinder hatten wieder keine Ohrmarken !

Ein Rind war am Kopf mit dem linken Bein mit einem Seil zusammen gebunden ... so kurz, dass das Tier bei jedem Schritt den Kopf bis auf den Boden senken musste, um überhaupt einen Schritt vorwärts gehen zu können ! Das verunsicherte und angstvolle Tier wurde geschlagen, damit es sich schneller bewegte ...

TierschützerInnen setzten sofort die Polizei über diesen illegalen Rindermarkt in Kenntnis mit Angabe der Auto-Kennzeichen. Dieser Treffpunkt stellte nämlich auch für den Straßenverkehr eine enorme Gefahr dar, da einfach eine stark befahrene Landstraße mit den Tiertransportern blockiert und Tiere aus- und eingeladen wurden !!

Nach ca. einer Stunde war dann Schluss .. Tiertransporte fuhren beladen in alle Himmelsrichtungen weg, die Schlachthöfe standen bereits zu lange still !

Die AktivistInnen beschlossen nochmals nach Bodzentyn zu fahren, wo Fernsehkameras, JournalistInnen und ReporterInnen auf Interviews warteten mit ihnen warteten. Das muss hier erwähnt werden: Viele große polnische TV-Sender waren an diesem Tag vor Ort, um sich ein Bild über die Folgen der Marktschließung zu machen.

Auch der zuständige Bürgermeister und der Kreisveterinär dieses Bezirkes waren anwesend. Vereinzelt standen Menschen vor dem geschlossenen Tor des Marktes und begannen die AktivistInnen wüst zu beschimpfen und wollten das brutale Handeln der Viehhändler rechtfertigen: "Tiere spüren das doch nicht, wenn man sie schlägt !“ oder "Ein gebrochenes Bein macht so einem Tier ja nichts, sie werden ja sowieso geschlachtet !"

Schlussendlich wurden diese Argumente vom Fernsehteam des größten polnischen Senders festgehalten und in einer Reportage veröffentlicht.

Dann bat uns der Bürgermeister um ein Treffen bei ihm im Gemeindeamt. Erstmals wurden Tierschutzorganisationenin Bodzentyn vom Bürgermeister angehört !

Es hagelte jede Menge Kritik seitens der Tier-WeGe und wir waren sehr überrascht, als sich der Bürgermeister bereit erklärte, unsere konkreten Forderungen in einer Art Vertrag festzuhalten, den der Bürgermeister unterzeichnete und versprach, die Punkte umzusetzen bzw. einzuhalten In dem Vertrag steht:

Bei dem Treffen wurden die Regeln der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und den Tierschutzorganisationen festgelegt:
  1. Die schulische Bildung der Kinder und Jugendlichen in Sachen Tierschutz wird mit Hilfe der Tierschutzorganisationen durchgeführt. (Tierschutz im Unterricht)

    Die Änderungsvorschläge in der Betriebsordnung des Viehmarktes:

  2. Aus Sicherheitsgründen ist das Betreten des Marktgeländes für Personen, die das 14. Lebensjahr nicht erreicht haben, strengstens untersagt.

  3. Das Betreten des Geländes ist für Personen unter Alkoholeinfluss strengstens untersagt.

  4. Das Betreten des Geländes ist für Personen, die wegen Tierquälerei rechtskräftig verurteilt wurden, strengstens untersagt.

  5. Die Filmaufnahmen vom Marktgelände werden den Tierschutzorganisationen jederzeit zur Verfügung gestellt.

  6. Das Marktpersonal und die Polizei werden im Bereich der Einhaltung des Tierschutzgesetzes in Anwesenheit des Landkreistierarztes und Tierschutzorganisationen geschult.

  7. Es wird ein Treffen der Tierhändler mit den VertreterInnen der Tierschutzorganisationen veranstaltet.

  8. Eine Kamera wird auf den Platz gegenüber dem Marktgelände gerichtet.
 Beide Seiten verpflichten sich, die Zusammenarbeit zwecks Verbesserung des ordentlichen Umgangs mit den Tieren auf dem Markt in Bodzentyn. Die Gemeinde verpflichtet sich alles zu tun, damit sich die Tierquälerei auf dem Marktgelände nicht mehr wiederholt.

Das ist ein erster, großer Schritt in Richtung Tierrechte, denn erstmals bemerken Menschen in Polen, dass sie nicht länger beliebig schlimm mit "Nutztieren" umgehen dürfen !!! Es ist noch ein langer Weg, bis sich wirklich etwas zum Besseren ändert - das ist uns bewusst. Doch wir haben die "Tür in der Angel" und wir werden alles daran setzen, dass diese Tierquälerei ein Ende hat.

Die Menschen dort glauben wirklich noch, dass Tiere nichts fühlen, das wurde uns schmerzlich bewusst ! In dieser Hinsicht ist zum Beispiel Österreich schon weiter - hier sprechen nur noch Wenige den Tieren ein Schmerzempfinden ab.

Doch auch wenn wir auf das dauerhafte Schließen des Rindermarktes gepocht hätten, würde das wenig nützen: Dann finden die Tiermärkte eben illegal an anderen - vor allem unkontrollierten - Orten statt. So haben wir jetzt mit dem Bürgermeister eine erste Vereinbarung, damit Tierquälerei endlich geahndet wird.

Wir bleiben auf jeden Fall dran und helfen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, dass die Menschen so rasch wie möglich "aufgeklärt" werden und werden kontrollieren, damit sich diese schrecklichen Tierquälereien nicht mehr wiederholen ! Wir werden wieder berichten ...

Quelle: Die Tier-WeGe - 03.03.2011

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