"Es war Schnee auf der Straße. Der Lkw geriet ins Rutschen. Ich habe zweimal probiert, gegenzusteuern, aber vergeblich", sagt der Fahrer des Tiertransporters, Seval R. (45) aus Mattighofen. Der Lkw-Zug mit 6000 Hühnern an Bord kippte um 22.30 Uhr um und blieb quer über die Bundesstraße 38 liegen. Der Lenker blieb unverletzt. Zwei nachkommende, auch voll beladene Hühnertransporter, die ebenfalls von Niederösterreich kommend zu einem Schlachtbetrieb nach Pfaffstätt im Bezirk Braunau unterwegs waren, konnten rechtzeitig stoppen.
Dutzende Boxen mit Hühnern lagen auf der schneebedeckten Fahrbahn verstreut, die Hälfte der Masthühner hatte den Unfall nicht überlebt. 52 Männer der Feuerwehren Rauchenödt, Grünbach und Freistadt rückten an, um die Tiere zu bergen.
Etwa ein Dutzend der Helfer bildete eine Menschenkette, um die lebenden Hühner in Boxen zu heben,
die noch intakt waren (an dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass es sich bei Hühnern nicht um Dinge handelt, sondern um Lebewesen ! Anm. Tier-WeGe). Andere telefonierten mit den Bauern in der Umgebung. Gesucht wurde eine Halle, in der die Tiere kurzfristig untergebracht werden konnten. Der Veterinärmediziner Stephan Hintenaus vom Amt der oberösterreichischen Landesregierung sagt dazu: "Es war wichtig, die lebenden Tiere möglichst schnell von den verendeten zu trennen."
Der Freistädter Bauer Alois Affenzeller, vulgo Fuchsenbauer, kam mit einem Lastwagen und holte die Tiere ab. In der Früh brachte ein Ersatzfahrzeug des Tiertransportunternehmens die Hühner weiter zum Innviertler Schlachthof.
Die Aufräumarbeiten dauerten mehr als sechs Stunden. "Den umgekippten Lastwagenzug hat dann eine Neufeldner Firma geborgen", sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Fritz Pürerfellner und fügt hinzu: "Die verendeten Hühner wurden in die Tierkörperverwertung gebracht."
Die Transportbedingungen für Schlachtvieh auf Österreichs Autobahnen und Bundesstraßen sind durch EU-Verordnung geregelt. Der Spediteur benötigt eine Zulassung der Bezirksverwaltungsbehörde, die er nur dann erhält, wenn er über speziell für den Transport ausgestattete Fahrzeuge verfügt. Auf Langstreckentransporten (über 80 Kilometer) gilt: Schweine und Rinder dürfen bis zu 14 Stunden ohne Unterbrechung unterwegs sein, dann ist eine Stunde Pause vorgeschrieben, anschließend muss das Ziel in weiteren 14 Stunden erreicht werden (bei Kälbertransporten verkürzt sich die Fahrzeit auf zweimal neun Stunden). Die Transportzeit für Geflügel beträgt insgesamt neun Stunden.
Geflügel ist beim Transport in übereinander gestapelten Boxen untergebracht, pro Kilo Körpergewicht müssen 160 Quadratzentimeter Fläche zur Verfügung stehen. Futter und Wasser erhält das Federvieh auf der letzten Reise nicht. Wegen seiner hohen Körpertemperatur (42 Grad) ist eine ausreichende Belüftung durch im Frachtraum angebrachte Ventilatoren unverzichtbar. "Bei Wintertransporten ist der Frachtraum mit Planen abgedeckt, im Sommer kommen luftdurchlässige Netzplanen zum Einsatz", sagt Heinz Grammer, stv. Leiter der Abteilung Ernährungssicherheit und Veterinärwesen beim Amt der Landesregierung.
Vor dem Transport muss der Spediteur bei der Bezirksverwaltungsbehörde einen fünfseitigen "Fahrplan" einreichen, in dem die gesamte Logistik verzeichnet ist. Tiertransportinspektoren führen Straßenkontrollen durch, am Bestimmungsort wird das tierische Frachtgut von Fleischuntersuchungsveterinären geprüft.
Stellungnahme der Tier-WeGe:
Wir können nicht verstehen, warum man hier die Tiere zu Sachen degradiert ! Liest man sich den Artikel durch, wird uns bewusst, wie gerne hier die Grenze zwischen Mensch und Tier gezogen wird - als Rechtfertigung, was man ihnen antut ! Tiere sterben genauso und 'verenden' nicht ... Tiere sind nicht 'intakt', sondern 'noch am Leben', um hier ein paar Beispiele rauszupicken ! Jedenfalls können wir hier noch hinzufügen, dass die geltenden Transportbestimmungen keineswegs tiergerecht sind und dafür werden wir uns heuer wieder verstärkt stark machen !"
Quelle: Oberösterreichische Nachrichten v. 5.2.10, Tier-WeGe - 06.02.2010