Am Montag, den 20.04.2009, sichteten TierschützerInnen der Tier-WeGe einen Kälbertransporter in Fahrtrichtung Italien. Sofort verständigten wir die Polizei, den dieser Lkw war uns bereits bei zwei Kontrollen im November und Dezember 2008 mit schweren Missständen aufgefallen. Zwei Polizisten stoppten den Tiertransporter schließlich bei der Raststation Kaiserwald.
Schreckliche Szenarien
Uns und den sehr engagierten Polizisten bot sich ein schreckliches Bild, als der Lkw zum Stillstand kam: Ununterbrochen leckten die Kälber verzweifelt an den Gitterstäben auf der Suche nach Wasser. Und sie brüllten so erbärmlich, dass Leute erschreckt aus der Raststation kamen.
Eine solch arge Szenerie hatten wir zuvor noch nie erlebt, obwohl wir schon viel gesehen haben. Einer der Polizisten meinte: "... es ist unerträglich, wenn man diese Schreie hört ...!"
Die Tiere waren augenscheinlich extrem lange nicht versorgt worden. Drei Kälber konnten nur noch im Transporter liegen – sie waren zu schwach um aufzustehen. Es hatte den Anschein, sie standen kurz vor ihrem Ende, denn sie atmeten nur noch schwer.
Insgesamt 240 Kälber waren auf drei Etagen verladen, wobei das mittlere Deck viel zu niedrig für die Tiere war, denn der Rücken der Kälber stand oben an der Decke an, sodass die Tiere nicht einmal den Kopf heben konnten. Lt. Gesetz haben die Tiere 0,4 – 0,7 m² Platz – das sahen wir nun mit eigenen Augen. Was 0,4 m² Platz für Kälber bedeutet !
Menschen eilten von der Raststation herbei. Darunter auch eine ältere Frau, die zu weinen begann und wieder weggehen musste, da sie den Anblick der Kälber nicht ertragen konnte. Beim Weggehen sagte sie noch zu Niki: "... Bitte machen Sie weiter so. Den Tieren muss jemand helfen ..." Liebe Frau, das tun wir sicher ! Das versprechen wir Ihnen ...
Ein weiterer massiver Missstand war, dass die meisten der Tiere extrem eitrige Nasen und Augen hatten. Das Eiter floss ihnen regelrecht herunter !
Die Polizisten verständigten sofort den zuständigen Amtstierarzt für Graz-Umgebung. Dieser war rasch zur Stelle und zeigte großes Engagement. Er kletterte sogar ins Innere des Lkw's und begutachtete jedes einzelne Tier genauestens.
Wir bemerkten, dass pro Abteil (die Tiere sind durch Trennwände innerhalb des Lkw's abgetrennt) nur ein Getränkenippel für ca. 40 Tiere zur Verfügung stand ! Das Wasser war wieder einmal nicht aufgedreht. Der Fahrer wollte nach Aufforderung schließlich den Tank aufdrehen, doch der war leer. Lediglich ein paar rostige Wassertropfen kamen heraus ! Ein untrügliches Zeichen dafür, dass dieser Wassertank seit sehr langer Zeit nicht mit Wasser befüllt war ...!
In den Papieren war mit einem Stempel bescheinigt, dass die Tiere in Brünn, Tschechien mit Futter und Wasser versorgt worden wären. Doch die Tiere waren dort sicher nicht versorgt worden. Der Stempel war unserer Meinung also einfach gegeben worden, ohne auf die Tiere zu achten !
Leider konnten wir nicht bis zum Ende der Kontrolle bleiben. Wir können nur hoffen, dass die Tiere anschließend versorgt wurden.
Nikolaus Kulmer meint dazu:
"Es ist höchste Zeit, dass diese furchtbaren Kälbertransporte über lange Strecken verboten werden ! Wenn überhaupt Wasser und die richtige Getränkevorrichtung beim Lkw vorhanden sind, dann können die jungen Tiere diese einfach nicht bedienen ! Sie wissen nicht, wie das funktioniert !
Die Tiere sind gezwungen, Durst zu leiden ! Wir fordern energisch, dass diese Transporte verboten werden ! Das ist absolute Tierquälerei ! So ein Tiertransporter dürfte normalerweise keinen Millimeter weit fahren !
Vom Engagement des Tierarztes bin ich begeistert. Danke vielmals an dieser Stelle – im Namen der Tiere. Zusätzlich habe ich mit einem Herrn vom Veterinärwesen Steiermark telefoniert. Nachdem ich ihm die Mängel erläutert und ihm von unseren zwei Kontrollen im Vorjahr erzählt hatte, versicherte er mir, dass er einen Brief an das zuständige Ministerium schreiben wird. Ich hoffe, dass das ausschlaggebend sein wird, dass diese Transporter keine Subventionen erhält. Denn normalerweise werden die EU-Exporterstattungen nach zwei Verstößen beim gleichen Lkw gestrichen."
Die Tier-WeGe - 21.04.2009