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Wien - Die Zahl der Tierversuche in Österreich steigt weiter. 2007 wurden 197.867 Tiere in Versuchen verwendet, um vier Prozent mehr als 2006 (190.121), geht aus der aktuellen "Tierversuchsstatistik" hervor. Von 2005 auf 2006 war die Zahl der Tierversuche um 13,6 Prozent gesteigen. Forschungsminister Hahn will Ersatzmethoden für Tierversuche nun noch stärker als bisher gefördert sehen.
"Einsatzbereiche"
Die meisten Tiere wurden für "Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin" (94.389, plus 5,5 Prozent gegenüber 2006) und für die "Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Gerätender Human- und Zahnmedizin" (49.421, plus 28,1 Prozent) "verwendet". Für "Biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung" wurden 42.576 (minus 12,5 Prozent) Tiere eingesetzt, für "Toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen" 8.120 Tiere (minus 15,4 Prozent).
Mäuse, aber auch Hunde und Katzen
Von den insgesamt 197.867 Tierversuchen wurden 158.464 mit Mäusen durchgeführt, 19.864 mit Kaninchen und 10.920 mit Ratten. Weiters wurden 3.867 Meerschweinchen, 1.017 Fische, 1.249 Schweine, 590 Rinder, 252 Schafe, 101 Ziegen, 725 Vögel, 432 Amphibien, 33 Hunde und zwei Katzen verwendet. Wie schon in den vergangenen Jahren kamen keine Menschenaffen zum Einsatz.
400.000, 130.000, 200.000
Tierversuche werden seit 1991 statistisch erfasst. Damals wurden 482.166 Tiere verwendet. In den 1990er-Jahren gab es dann einen deutlichen Rückgang bis zum Stand von 129.644 im Jahr 1999. Seither steigen die Zahlen wieder leicht an, bleiben aber weit unter den Zahlen von Anfang der neunziger Jahre. Der Anstieg geht vor allem auf das Konto von Mäusen und Ratten, vor allem wegen der verstärkten biomedizinischen Forschung. Trotz des Anstieges verzeichnet Österreich im europäischen Vergleich weiterhin niedrigere Zahlen.
Politik gefordert
"Es ist schön, wenn in Österreich immer mehr geforscht wird. Inakzeptabel ist aber, dass das mit einer dramatisch erhöhten Anzahl von Versuchstieren verbunden ist", erklärte Helmut Appl vom österreichischen Zentrum für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen (zet) in einer Reaktion auf die amtliche Statistik. Die Politiker seien gefordert, "endlich mehr für Alternativmethoden zu tun", fordert Appl mehr finanzielle Unterstützung für Wissenschafter, die an der Entwicklung moderner Alternativen zu Tierversuchen arbeiten. Außerdem kritisierte er das Fehlen einer zentralen Tierversuchsdatenbank.
Für Wissenschafts- und Forschungsminister Johannes Hahn ergibt sich aus der Statistik ein erhöhter Förderbedarf an Ersatzmethoden, wozu er alle Forschungseinrichtungen aufgerufen habe. Das Ergebnis davon sei die letztjährige Reduzierung von Tierversuchen im Wissenschaftsbereich auf 4.828. Außerdem stellt das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) jährlich knapp 300.000 Euro für alternative Forschungsprojekte zur Verfügung. (APA/red)
Link zur Tierversuchsstatistik 2007
Quelle: "Der Standard" - 16.07.2008
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