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"REACH" - Das neue Horror-Projekt der EU

Im Dezember 2006 wurden die fünf Jahre andauernden Diskussionen rund um die EU-Chemikalienverordnung REACH abgeschlossen. Die größten Verlierer sind dabei wieder einmal die Tiere, wie es scheint

Seit langem machten TierrechtlerInnen gegen das geplante EU-Projekt "REACH" mobil: Die derzeitigen EU-Regelwerke unterscheiden nämlich alte und neue Chemikalien. Rund 100.000 alte Chemikalien kamen vor 1981 und 3.200 neue nachher auf den Markt. Die neuen Substanzen werden vor Marktzulassung nach einem bestimmten Muster getestet - meistens in Tierversuchen. Und mit Inkrafttreten dieser neuen EU-Chemikalienverordnung REACH werden alte und neue Stoffe gleichgestellt. Das heißt, rund 30.000 alte Substanzen (mit einer Jahresproduktion von über einer Tonne) sollen geprüft werden ... in Tierversuchen !

Viele Verbände hatten sich zusammen geschlossen, um diese millionenfachen Tierversuche abzuwenden. Vor allem handelt es sich eben bei diesen Chemikalien um solche, die bereits auf dem Markt sind. Durch den Einsatz dieser Verbände sowie den von zahlreichen anderen Vereinen und Einzelpersonen konnten zwar einige Verbesserungen ausgehandelt werden, trotzdem werden immer noch Millionen Tiere für das neue Chemikalienregelwerk leiden und sterben müssen. Die Sache ist also noch lange nicht abgeschlossen !

Weiterhin plädieren Tierschutz- und Tierrechts-Vertretungen für die Entwicklung und Anerkennung von neuen tierversuchsfreien Testmethoden. Diese gibt es bereits, doch sie werden nicht wirklich vorangetrieben, was normalerweise schon längst passieren hätte können.

Die ersten Tierversuche im Rahmen von REACH ab 2009 durchgeführt werden. Tierversuchsanträge der Chemie-Firmen müssen dann 45 Tage lang ausgewählten Interessengruppen über das Internet zugänglich gemacht werden. So können diese für einzelne Tierversuche gezielt nach tierversuchsfreien Methoden und vorhandenen Daten suchen. Dies war eine wichtige Forderung der Tierrechtsseite, die in REACH Eingang gefunden hat.

Übersicht - REACH

Volumen in Tonnen

Tests nach Anlage

Anzahl Chemikalien

Vorgesehene Tierversuche

1-10

V

20.000

Allergietest (LLNA Mäuse oder GPMT Meerschweinchen)
Umwelttox (Wasserflöhe)

10-100

V + VI

4.600

Hautverträglichkeit, Draize, akute Tox (oral, dermal, inhal), Tox bei wiederholter Gabe (oral, dermal, inhal), Sub-chron. Tox. bei wiederholter Gabe (oral, dermal, inhal), Repro-Tox, Toxikokinetik, Fisch-Umwelttox.

100-1.000

V + VI + VII

2.900

Mutagenität, Teratogenität, 2-Generationen-Repro-Tox, Umwelttox.

> 1.000

V + VI + VII + VIII

2.600

weitere Mutagenität, Langzeit-Tox bei wiederholter Gabe, weitere Tox-Tests, Karzinogenität, Langzeit-Umwelttox.

Tierzahlen

Anfang 2001 stellte die EU-Kommission ihr Weißbuch zur neuen Chemikalienpolitik vor und da war von Tieren, Tierversuchen und tierversuchsfreien Methoden überhaupt noch keine Rede. Doch jetzt wird seitens der EU der Entwicklung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden hohe Priorität eingeräumt und das ist gut so !

Hochrechnungen gingen von bis zu 45 Millionen Wirbeltieren aus, die Wirbellosen, wie Regenwürmer und Wasserflöhe, nicht eingerechnet. Jahrelange Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit der Tierversuchsgegner- und Tierrechtsverbände hat bewirkt, dass wesentliche Verbesserungen im Sinne der Tiere in die Verordnung aufgenommen wurden. So konnten mit Sicherheit viele Millionen Tierleben gerettet werden. Wie viele Tiere letztendlich für REACH leiden und sterben werden, ist noch ungewiss und hängt von vielen Faktoren ab. Es ist also wichtig, tierversuchsfreie Testmethoden rasch weiterzuentwickeln !!

Und dafür arbeitet ECVAM (das europäische Zentrum für die Valdidierung von Alternativmethoden) mit Hochdruck, um noch rechtzeitig vor Beginn der REACH-Tierversuche weitere tierversuchsfreie Testmethoden anerkannt zu bekommen. Derzeit befinden sich 40 Methoden in der Validierung (Anerkennungsverfahren für tierversuchsfreie Methoden). Die Validierungszeit von sonst üblicherweise 7 bis 10 Jahren konnte durch ECVAM auf 5 Jahre gesenkt werden.

Auch die 45-Tage-Kommentierungsmöglichkeit wird viele Tiere vor einem qualvollen Gifttod bewahren, doch lange nicht alle ! Mit dieser 45-Tage-Option haben Tierrechts-Interessengruppen die Chance, nach vorhandenen Daten und möglichen tierversuchsfreien Methoden zu suchen ...

Die chronologischen Ereignisse von REACH

Januar 2001
Die EU veröffentlicht das Weißbuch ihrer Chemikalienpolitik.

2001 - 2003
Abstimmungen über das Weißbuch erfolgen im EU-Parlament und EU-Ministerrat. Der REACH-Entwurf wird von der EU-Kommission erarbeitet.

07.05.-10.06.2003
Es findet eine Internet-Konsultation des REACH-Entwurfs statt.

29.10.2003
Die EU-Kommission veröffentlicht den REACH-Entwurf.

2004 - 2005
Beratungen der Ministerräte für Industrie und Umwelt finden statt.

September 2004
Die Beratungen des EU-Parlaments beginnen.

19.01.2005
Anhörung im EU-Parlament

04.10.2005
Es erfolgt eine Abstimmung im Umweltausschuss des EU-Parlaments.
Das Votum fällt erstaunlich tierfreundlich aus - viele Vorschläge der britischen Grünen Carolin Lucas wurden angenommen.

07.11.2005
EU-Kommission: "Workshop Alternative Approaches to Animal Testing"
Das Parlament tritt für einen verpflichtenden Datenaustausch der Firmen ein, um doppelte Tierversuche zu vermeiden. Kosmetika sollen von REACH ausgenommen werden.

17.11.2005
Es erfolgt eine Plenarabstimmung im EU-Parlament.

13.12.2005
Es findet eine Abstimmung im EU-Ministerrat statt. Einige der durch das Parlament eingebrachten Verbesserungen werden durch den Rat wieder gestrichen.

27.07.2006
Der EU-Ministerrat verabschiedet den gemeinsamen Standpunkt.

13.12.2006
Plenarabstimmung im EU-Parlament - die REACH-Verhandlungen werden abgeschlossen. Ein paar wichtige Tierschutzforderungen wurden in die Verordnung aufgenommen:
   - Zwingender Datenaustausch der Firmen zur Vermeidung von Mehrfach-Versuchen
   - Kosmetika werden von den Versuchen ausgenommen
   - 45-Tage-Kommentierung im Internet der Testanträge
   - Die Förderung von tierversuchsfreien Testmethoden haben Priorität.


Wie geht es nun bei REACH weiter?

Anfang/Mitte 2007:  REACH tritt in Kraft
2007 - 2008:             Einrichtung der Chemikalien-Agentur in Helsinki
Bis 2008:                 Vorregistrierung von Chemikalien
Ab 2009:                  Firmen müssen Daten zusammentragen und Tierversuche beginnen
2009 - 2012:             In diesem Zeitraum sollen die meisten Tierversuche durchgeführt werden.
Bis 2018:                 Alle Stoffe müssen registriert sein. Erst dann ist REACH beendet.

Quelle: Die Tier-WeGe, Ärzte gegen Tierversuche - 03.10.2007

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