Im Wald von Bukit Tigapuluh, im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra, findet das einzige erfolgreiche Wiederansiedlungprojekt für Sumatra Orang Utans statt. Nach zehn Jahren intensiver Arbeit leben dort wieder 100 der rotblonden Menschenaffen. Jetzt droht eine der weltgrößten Papierfirmen den Tropenwald und damit den Lebensraum dieser Orang Utans zu zerstören.
Das Joint Venture Unternehmen Asia Pulp & Paper / Sinar Mas Group (APP/SMG) hat vor kurzem die Lizenz erhalten, große Teile des letzten natürlichen Waldes angrenzend an den Bukit Tigapuluh Nationalpark zu fällen. APP/SMG könnte somit alle Primärwälder in der Provinz Jambi (Sumatra) roden, die nicht innerhalb des Nationalparks liegen – Regenwälder, von unglaublicher Wichtigkeit für die biologische Vielfalt Indonesiens.
Fünf vor Ort für den Schutz des Gebietes kämpfende Organisationen - das Community Conservation Netzwerk WARSI, die Sumatran Tiger Conservation and Protection Foundation, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Zoological Society London und der WWF-Indonesien - haben in einer gemeinsamen Presseerklärung und in einem Protestbrief an das indonesische Forstministerium vehement Stellung gegen die Vorhaben von Asia Pulp & Paper/Sinar Mas Group bezogen. Die fünf Organisationen befürchten, dass APP/SMG bereits Anfang nächsten Jahres damit beginnen könnte, zwei große natürliche Waldgebiete zu roden und appellieren daher dingend an das Ministerium dies zu verhindern und den Wald zu schützen.
„Diese Tieflandwälder sind ein erstklassischer Lebensraum für Orang Utans, weswegen wir auch 2002 von der Regierung Indonesiens die Erlaubnis bekamen, sie hier wieder anzusiedeln. Jetzt sind wir endlich an dem Punkt, wo die Population eine langfristig erfolgversprechende Größe erreicht hat. Die Orangs haben sich gut eingelebt und gründen neue Familien im Wald“, sagt Dr. Peter Pratje von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der das Wiederansiedlungsprojekt für Orang Utans vor Ort leitet.
"Viele Wissenschaftler haben über Jahrzehnte daran gearbeitet, die extrem gefährdeten Sumatra Orang Utans wieder erfolgreich in der Wildnis anzusiedeln. Jetzt könnte APP/SMG innerhalb von nur wenigen Monaten einen wichtigen Teil ihres Lebensraumes einfach zerstören.“
Die Orang Utan Station der ZGF liegt mitten in der Ex Dalek Hutani Esa Holzkonzession – eine der Konzessionen, die APP/SMG jetzt einschlagen dürfte.
Sumatratiger und Elefanten – in einem Wald von unschätzbarem Wert
Bukit Tigapuluh liegt in den Provinzen Jambi und Riau und beheimatet die letzten Tieflandwälder auf der ohnehin von rasanter Abholzung gekennzeichneten Insel Sumatra.
Nirgendwo sonst verschwindet Tropenwald in vergleichbarem Tempo. Zwischen 1985 und 2007 verlor die Insel 12 Millionen Hektar natürlichen Wald – das sind 48 Prozent ihres Waldes in nur 22 Jahren. „Wenn die Pläne von APP/SMG in die Tat umgesetzt würden, dann hätte das fatale Auswirkungen auf einige der bdrohtesten Arten Sumatras“, so Stefan Ziegler, Artenschutzreferent WWF Deutschland. „Nicht nur das Schicksal der 100 Orangs im Gebiet, sondern auch das der letzten Elefanten und Tiger auf der Insel insgesamt wäre dann besiegelt. Und der vermehrte Zusammenstoß von Menschen und Tigern wäre vorpogrammiert, da die Tiger auf andere Waldgebiete in der Nähe von Menschen ausweichen würden“.
In Bukit leben 100 der letzten 400 Sumatratiger und durch die ungeschützten Wälder außerhalb des Nationalparks wandern 40 - 60 Sumatra-Elefanten. Nicht nur für die Tiere sondern auch für die Menschen, die vom Wald und seinen Produkten abhängen, wie etwa die einheimischen Stämme der Talng Mamak und der Orang Rimba, sind die Regenwälder von Bukit eine unverzichtbare Existenzgrundlage.
Im letzten Herbst hatten das indonesische Forstministerium und die Gouverneure der zehn Provinzen auf der Weltnaturschutzkonferenz in Barcelona medienwirksam angekündigt, ihre Gebiete mit hohem Naturschutzwert bewahren zu wollen. Die jetzt Asia Pulp & Paper/Sinar Mas Group (APP/SMG) zugestandenen Konzessionen sprechen eine andere Sprache.
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Link zur Zoologischen Gesellschaft Frankfurt
Quelle: Die Tier-WeGe, Zoologische Gesellschaft Frankfurt - 19.05.2009