In Deutschland hat die Konzentration der Schlachtbranche mittlerweile ein bedenkliches Ausmaß angenommen. Dies führte nun dazu, dass zwei große Konzerne Vion (vormals Best Meat) und Thönnies mit gut 30% Marktanteil das Sagen haben und die bäuerlichen Notierungen (ZMP und ISN) zum Teil untergraben haben. In der Praxis spielte sich das Szenario folgendermaßen ab. Am Donnerstag notierte die Erzeugergemeinschaftsrunde eine „Wunschnotierung" – doch am Montag darauf musste notiert werden, was die Großen der Schlachtbranche bereit war zu zahlen. Sowohl die deutschen Erzeugergemeinschaften, als auch Lebensmittelhandel und Fleischindustrie wurden zu Gegner dieses „Verwirrspieles"!
Seit Kalenderwoche 16 wird als Folge dessen in Deutschland nur mehr am Freitagnachmittag notiert, dh erst nach dem Fleischverkauf und damit erst nach dem Überblick der Fleischbranche über die Absatzlage. Für die Landwirtschaft ist das sicher ein Nachteil, denn das Motto lautet: „Was nach dem Verkauf übrig bleibt, wird auf die Landwirtschaft verteilt. Das Ergebnis war in den letzten Wochen spürbar.
Landwirtschaft verliert!
Die Fleischverkäufer der Schlacht- und Zerlegebetriebe, die am Freitagvormittag den Wochenverkauf für die darauffolgende Woche vollziehen, werden auch zukünftig wenig Motivation für eine Preissteigerung im Verkauf vorfinden, weil ja vorab noch kein Erzeugerpreis bzw. aus deren Sicht Rohstoffeinkaufspreis feststeht. Warum sollen sie eine Preiserhöhung fordern, wenn kein Zwang dazu vorliegt. Und freiwillig gibt der Lebensmittelhandel sicher nicht mehr. Erst wenn es wirklich zu einer Angebotsverknappung käme, müssten Preiserhöhungen an die Endverteiler überwälzt werden. Diese Entwicklung wird das europäische Preisniveau im Jahresschnitt ein paar Cent drücken!
Veränderung auch in Österreich
Deutschland ist der bedeutendste Schweinemarkt Europas bzw. der EU 22% der EU-Schweine werden dort erzeugt, 27% verspeist. Damit wird klar, dass die volkswirtschaftlichen Probleme Deutschlands, die auch den Fleischkonsum belasten, auch indirekt bei uns ihren Niederschlag in Form schlechterer Preise finden. Die Zufuhren von deutscher Ware nach Österreich, lebend oder geschlachtet, waren noch nie so hoch wie in den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres.
Die o.a. „Donnerstag/Montag-Verwirr-Preisbildung" in Deutschland brachte zuletzt auch Turbulenzen für die Österreichische Schweinebörse. Mit unserer Donnerstag-Notierung (1x pro Woche) wurden wir mehrmals am drauffolgenden Montag substantiell unterfahren, mehr und mehr billigere Ware aus Bayern kam nach Österreich. Einmal musste sogar nachträglich korrigiert werden, um den heimischen Absatz nicht zu sehr zu schaden.
Quelle: www.schweine.at – Juni 2005