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Diskussion in St. Margarethen: "Zukunft der Schweinehaltung ?"

Am Samstag Abend luden die Grünen zu einer Diskussion zum Thema Schweinehaltung und ihre Zukunft in St. Margarethen a.d. Raab ein. Unter der Moderation von Hrn. Meister (Grüne, St. Margarethen) wurde eine sehr kritische Debatte 'Bioschweine vs. konventioneller Schweinehaltung' geführt

Die gut besuchte Veranstaltung fand im Innenhof von "Harti's Tschecherl" statt. Zum Auftakt wurde ein Ausschnitt vom bekannten Film "We feed the world" gezeigt. Darin wurde dokumentiert, dass in Brasilien wichtiger Regenwald gerodet und zerstört wird, nur um Soja anzubauen. Dieses Soja wird hauptsächlich als Futtermittel für unsere europäischen Nutztiere, wie zB Schweine und Hühner, exportiert. Doch gleichzeitig kämpfen rund 40 Mio. Menschen in Brasilien täglich ums Überleben - Grund dafür ist Hunger!!! Und das, obwohl dieses Land zu den reichsten Agrarländern der Erde gehört ...

Nach diesem sehr aufrüttelnden Filmdokument eröffneten die Herren Peter Feiertag (Weizer Fleischerei) und DI Heinz Köstenbauer (Bio Ernte Steiermark) die Diskussion mit ihrer Stellungnahme zum Thema 'Biofleisch' bzw. 'Bio-Schweinehaltung'.

Doch die Bio-Schweinehaltung, wo die Tiere einigermaßen artgerecht leben können, beträgt leider nicht einmal 1,0% in Österreich! Und so vermissten wir sehr stark eine Stellungnahme von Vertretern der konventionellen Schweineindustrie - dh, von den ca. 3 Mio. Schweinen, die in Österreich gehalten werden, leben über 99% in engsten Verhältnissen (Zuchtsauen in Kastenständen, enge Mästplätze), auf Spaltenböden ohne Stroheinstreu, sind meist starkem Ammoniak-Geruch ausgesetzt und haben keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten. Und diese Umstände sind uns natürlich ein Dorn im Auge!

Was uns positiv überraschte war, dass sich unter den BesucherInnen viele BefürworterInnen von Bio-Schweinehaltung zu Wort meldeten. So kam eine wirklich angeregte Diskussion mit BesitzerInnen herkömmlicher Schweineställe in Gang.

Wir beteiligten uns natürlich rege an der Debatte und warfen u.a. ein, dass es beachtliche Missstände bei der Kennzeichnungspflicht gibt. Die meisten KonsumentInnen stellen sich zB unter der 'Bauernhofgarantie' oder dem 'AMA-Gütesiegel' glücklich und artgerecht lebende Schweine vor. Doch da stimmt die Werbung mit der Realität überhaupt nicht überein. Die beiden Siegel sagen nämlich nahezu nichts aus:

"Bauernhofgarantie" + "AMA-Gütesiegel":

- Vollspaltenböden erlaubt
- keine Einstreu vorgeschrieben
- Platz pro Schwein nicht mehr als das Gesetz vorschreibt (und das ist minimal !)
- kein Auslauf für die Tiere
- gentechnik-freie Futtermittel sind erlaubt
- Medikamenteneinsatz sowie antibiotische Leistungsförderer sind erlaubt
  (Ausnahme bei "AMA": antibiotische Leistungsförd. sind nur währen der Mastperiode verboten)
- medikamentös behandelte Tiere werden nicht von der Vermarktung ausgeschlossen
- synthetische Aminosäuren sind nicht verboten
- es finden keine regelmäßigen Kontrollen statt

Diesen 'Gütesiegeln' kann mann/frau also nicht vertrauen ...

Ein weiterer Punkt war die zunehmende Industrialisierung in der Tierhaltung. Für uns als starke GegnerInnen gegen diese Form von Massentierhaltung ist natürlich klar, dass Österreich nie mit Ländern - wie zB Russland - mithalten kann, wo Mastställe mit bis zu 450.000 Tieren existieren (lt. Hrn. Meister). Denn unser Land ist strukturell viel zu klein, um mit Tierfabriken solcher Größenordnung jemals konkurrieren zu können. Der Preisdruck wird also immer gegeben sein. Wir fordern daher die Politik auf, nicht Großställe finanziell zu fördern, sondern komplett neue Ansätze zu finden! Was soviel heißt, dem Anliegen vieler KonsumentInnen nachzukommen, dass Tier- und Umweltschutz endlich gefördert und ernst genommen wird. Auch verlangen wir, dass nicht mit falsch eingesetzten Subventionen Arbeitsplätze vernichtet werden, denn Großställe lassen die kleinen Landwirte zu Grunde gehen.

Die zur Zeit praktizierte Form der Intensiv-Landwirtschaft hat unserer Meinung nach kein Zukunftspotenzial. Böden werden ausgelaugt bzw. übersättigt, bei viel Regen sind die Böden überfordert, der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln zerstört Natur und Artenvielfalt, etc. Nicht nur die heutige Generation, auch künftige Generationen wollen schließlich auf dieser Erde leben!

Aber vor allem plädierten wir am Schluss der Diskussion dafür, dass sogenannte Nutztiere, wie in diesem Fall eben Schweine, nicht als "Sache" bzw. "Ware" angesehen werden dürfen, sondern endlich als fühlende und schmerzempfindende Individuen, die sie schließlich sind !

Die Tier-WeGe - 15.09.2007

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