Zu wenig Platz für Alternativen - Schweinezucht wird derzeit heftig diskutiert. In Hofstätten a.d. Raab bei Gleisdorf sorgt der geplante Zuchtbetrieb weiterhin für Aufregung. Experte sieht Landwirte einem enormen Druck ausgeliefert.
Am 23. Juni 2008 findet die Baukommissionierung für die geplante und im Vorfeld hoch umstrittene Schweinezuchtanlage in Hofstätten an der Raab statt. "Die Betreiber haben alle Gutachten eingebracht und die entsprechenden Auflagen erfüllt", berichtet Werner Höfler, Bürgermeister von Hofstätten. Das Land Steiermark hat zudem entschieden, dass keine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden muss.
Höfler spricht sich dezidiert gegen das Projekt aus: "Es gibt berechtigte Einwände von Anrainern, Bauern der Umgebung und aus tierschutzrechtlicher Sicht. Man hat alles versucht, um das zu verhindern", so Höfler. Aus rechtlicher Sicht sei alles geregelt, sodass einem Bau nichts mehr im Wege steht. Der Gemeinde als Baubehörde sind die Hände gebunden. Ein schwacher Trost sei, dass durch die moderne Bauweise die Geruchsbelästigung relativ gering ist. "Tierschutzrechtliche Belange treten aber leider in den Hintergrund", so Höfler. Nikolaus Kulmer vom "Menschenverein für Tierrechte - Die TierWeGe" kritisiert die Politik, über die Köpfe und Bedürfnisse der Menschen hinweg zu entscheiden. "Kleinbäuerliche Strukturen werden extrem beeinträchtigt", so Kulmer.
Dilemma
Um das Dilemma weiß auch Walter Breininger, Referatsleiter der Abteilung Bauberatung in der steirischen Landwirtschaftskammer bescheid. "Obwohl durch die ,modernen Ställe' die Feinstaub- und Ammoniakbelastung gering gehalten wird, sind die Auswirkungen auf die Tiere extrem schlecht", so Breininger, der gestern im Rahmen einer Informationsveranstaltung des Vereins "Levi" und des Weizer Energiestammtisches mit Landwirten und Tierschützern aus der Region diskutierte.
Breininger sieht durch den gleichbleibenden Preis für Schweinefleisch die Landwirte einem enormen Druck ausgeliefert: "Ein Schweinebauer müsste, wenn er im Haupterwerb tätig ist, 120 bis 140 Zuchtsauen und 1200 Mastplätze haben, damit er seine Familie ernähren kann", rechnet Breininger vor. Automatisch bewege man sich im Bereich der Massentierhaltung. Wobei dieser Begriff, der durchgehend negativ besetzt ist, nicht unbedingt Böses verheißen muss, vorausgesetzt es ist genügend Platz vorhanden.
Wenig Alternativsysteme
"Es entstehen Bio-Schweinezuchtbetriebe mit Platz für mehr als 600 Mastschweine. Daran ist auch überhaupt nichts auszusetzen, weil die Quadratmeter vorhanden sind. Man muss darauf achten, dass Schweine sich auch auf konzentrierterer Fläche immer noch so verhalten können, wie im Freiland. Vor allem ein Auslauf würde den Stall extrem entlasten", betont Breininger. Die Umsetzung sei aber generell schwierig, da schlichtweg die nötige Fläche fehle.
Im kleinen Bereich stagniert die Entwicklung von Alternativsystemen aus Mangel an Geld und Fachkräften. Betriebe seien nicht bereit umzusteigen, da die Systeme eben nicht immer 100-prozentig funktionieren. Offene Laufstallungen wie sie im Rinderbereich üblich sind, sind bei Schweinen noch sehr selten.
Gefragt seien laut Breininger mehr regionale Kleinbetriebe und vor allem der Aufbau einer starken regionalen Marke.
Quelle: "Kleine Zeitung" - 28.05.2008
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