Eine düstere Zukunftsprognose stellt Walfried Wutscher, Präsident der
Landwirtschaftskammer, für die Viehhaltung in Kärnten - wenn es nach den
Wünschen des Landes geht. "Im Raumordnungsbeirat wurde die Idee geboren, ähnlich wie Industrieparks so genannte Agrarparks einzurichten" , sagt
Wutscher. Im Klartext bedeutet dies, dass Nutztiere nicht mehr am Bauernhof
leben sollen, sondern in abgegrenzten Zonen außerhalb der Ortschaften.
Besonders betroffen werden Geflügelhalter und Schweinezüchter sein.
Störendes Gegacker
Anlass war das Verbot der Käfighaltung für Geflügel, das bereits in Kraft
getreten ist. Werden die Käfige abgeschafft, kann daraus nicht problemlos
eine Bodenhaltung entstehen. "Denn jetzt haben im Stall natürlich weniger
Hühner Platz als früher", erklärt Wutscher. Um nicht allein Ställe
vergrößern zu müssen, entscheiden sich daher viele Geflügelbauern für die
Freilandhaltung: Die Planung des neuen Stalles beinhaltet automatisch den
Auslauf für Hühner, Enten oder Gänse. Und vom Gegacker und Geschnatter
fühlen sich Anwohner nun häufig gestört.
"Das Land will künftig die Konzentration der ländlichen Produktion in
Zentralparks forcieren. Aber das ist ja unhaltbar. Der Bauer gehört direkt
zu seinem Vieh. Man kann Tiere nicht halten wie in einer Fabrik, wo man am
Abend das Werkzeug zur Seite legt, die Maschinen abstellt und nach Hause
geht", wettert Wutscher.
Uwe Scheuch als zuständiger Landesrat hat mit dieser Diskussion zum jetzigen
Zeitpunkt keine Freude. "Die Neupositionierung der landwirtschaftlichen
Intensiv-Tierhaltung wird mit der Novelle des Gemeindeplanungsgesetzes Hand
in Hand gehen, allerdings erst nach der Wahl 2009. Ich will dieses wichtige
Thema
nicht in den Wahlkampf einbringen", sagt Scheuch. Die räumliche Trennung von
Wohnraum und Tierhaltung hält Scheuch jedoch für eine gute Idee. Ziel ist
es, vor allem jene Menschen, die ihren Lebensbereich verstärkt aufs Land
verlegen, von der Belästigung durch Lärm und Geruch einer Massentierhaltung
zu verschonen.
Keine Rückwirkung
"Ställe sollen außerhalb des verbauten Raumes entstehen", meint Scheuch.
Schon jetzt verlagern Geflügelzüchter mit tausenden Tieren ihre Ställe an
den Rand von Ortsgebieten, argumentiert der Politiker. Bereits bestehende
Stallungen wird man jedoch nicht auflösen. "Die Bauern müssen keine Angst
haben, dass Investitionen umsonst sind. Ein neues Gesetz kann keine
Rückwirkung haben."
Petra Kulmer von der Tier-WeGe meint dazu:
"Diese Idee ist für mich nur die Konsequenz einer größenwahnsinnigen Massentierhaltungs-Gesellschaft. Sogenannte "Nutz"-Tiere werden nach wie vor als 'Produkte' angesehen, als gefühllose 'Sachen' - und das in einer Zeit, wo wir uns als aufgeklärt zu glauben wissen ! Dass diese 'Tier-Agrarparks' keine Lösung sein können, ist für mich klar ! Unsere Gesellschaft MUSS einen Riesenschritt weg von der Massentierhaltung - solche Überlegungen gehören politisch angedacht. Für mich natürlich aus Tierschutzgründen, aber es gibt daneben viele anderer Gründe, wie Tierseuchen und der psychische Zustand der Tiere. Schließlich sind alle Tiere in einer Massentierhaltung psychisch krank - und dass essen Menschen, die Fleisch essen mit !
Dazu kommt, dass Österreich niemals mit großen Massentierhaltungs-Ländern wie zB Polen oder Dänemark mithalten kann und Europa bereits jetzt zuviel an Fleisch 'produziert' ! Auch rangieren die Tierfabriken vor dem Verkehr in der aktuellen Diskussion zum Klimawandel.
Es ist also höchste Zeit, mindestens einen Schritt zurück zu gehen, damit wir uns und unsere Nachkommen gut in die Zukunft bringen ...!
Quelle: Die Tier-WeGe, "Kleine Zeitung"- 05.03.2008
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