Allgemeines über Massentierhaltung:
Massentierhaltung oder Intensivhaltung bezeichnet die technisierte Form der Nutztierzucht und Viehhaltung zur massenhaften Erzeugung tierischer Produkte wie Fleisch, Milch oder Eiern. Dabei werden die Tiere derselben Art (in Österreich bzw. Europa überwiegend Hühner, Schweine und Rinder) Art auf sehr begrenztem Raum gehalten, wobei eine genaue Abgrenzung der Tieranzahl, welche als Massentierhaltung gilt, nicht existiert.
Massentierhaltung ist mit artgerechter Tierhaltung nicht vereinbar. Durch die Massentierhaltung konnte zwar die 'Produktivität' gesteigert werden: die hohen Produktionsmengen und die Vorteile großer Betriebe bei den Produktionskosten führten zu sinkenden Kosten für den Erzeuger und sinkenden Preisen für den Verbraucher. Doch für die Tiere bedeutet diese Art der Haltung unvorstellbare Qual ! Der Großteil der Millionen, ja Milliarden Tiere sieht niemals Tageshimmel ...
Die Massentierhaltung hat weiten Bevölkerungsschichten der reichen Länder den täglichen Fleischkonsum ermöglicht. Daneben ist die Produktion von Milch und Hühnereiern soweit gesteigert worden, dass diese Produkte ebenfalls zur alltäglichen Nahrung geworden sind.
Klimakiller Massentierhaltung:
Die Tierindustrie verursacht rund 18 Prozent der Treibhausgas-Emissionen weltweit und ist damit vor dem Transportsektor größter Emmissionsfaktor ! Die im Verdauungstrakt (vor allem von Wiederkäuern = Rinder) entstehenden Methangase entsprechen 37 Prozent der gesamten anthropogenen Methanemissionen. Auch 65 Prozent der anthropogenen Lachgas-Emissionen sind auf die Tierhaltung zurückzuführen.
Die Stickstoffemissionen der "Veredelungs"-Landwirtschaft (Futteranbau, Tiermast etc.) tragen ebenfalls zur Versauerung und Eutrophierung der Waldböden bei.
Wasserverschmutzung und Wasserverbrauch:
Wenn Gülle im Übermaß ausgebracht wird, können Stickstoff-, Nitrat- und Phosphat-Verbindungen in das Grundwasser gelangen. So wird in vielen Gebieten mit intensiver Viehhaltung der Grenzwert für Nitratbelastung im Grundwasser überschritten.In Oberflächengewässern verstärkt die hohe Nährstoffversorgung (Eutrophierung) das Wachstum von Grünalgen und Cyanobakterien. Die Algen entwickeln sich zu Massenvorkommen und sondern bestimmte Algengifte ab. Schließlich führt die Biomasseproduktion der Algen zu Sauerstoffarmut im Wasser – das Gewässer kann "umkippen".
Die Aufbereitung von verschmutztem Wasser zu Trinkwasser verursacht erhebliche Kosten werden.Bei Überdüngung und/oder oberflächlichem Abfluss kann auch die Bodenfauna geschädigt werden.
Gesundheit:
Beim Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sind zwei verschiedene Einsatzarten zu unterscheiden: Einerseits als Arzneimittel, das gezielt im Rahmen einer veterinärmedizinischen Behandlung eingesetzt wird; andererseits als Futterzusatz, der gegen Infektionen vorbeugt, womit Leistung und Wachstum gesteigert werden sollen.
Der Einsatz von Antibiotika als Futterzusatz ist umstritten. Diese Einsatzart ist in der EU seit Anfang 2006 verboten, nachdem sie bereits 1995 in Dänemark, seit 1997 in Vorarlberg und 1999 in der Schweiz aufgrund einzelstaatlicher Selbstbeschränkungen nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Dieser sogenannte nutritive Einsatz ist aber in vielen Ländern noch weit verbreitet.
Falls ein einzelnes Tier an einem bakteriellen Infekt erkrankt ist, werden in einer veterinärmedizinischen Behandlung dem ganzen Bestand Antibiotika verabreicht. Diese Anwendung (Metaphylaxe) lässt nur die wenigen (durch natürliche Mutation normalerweise vorhandenen) resistenten Erreger überleben. Diese können einen resistenten Stamm bilden, wenn sie nicht als Restinfektion durch die Immunreaktion des Tieres oder Menschen abgetötet werden. Dadurch kann das Antibiotikum gegen die bekannten Infektionen unwirksam werden.
Haltungsbedingungen:
Die Massentierhaltung, wie zum Beispiel die Käfighaltung, ist ethisch nicht vertretbar, da die Tiere ihren natürlichen Neigungen überhaupt nicht nachkommen können. Bei einigen Arten führt die Haltung vieler Tiere in kleinem Raum (dh große Gruppen) zu großem Stressverhalten.
Bedingt durch eine reizarme Umwelt kommt es häufig zu Verhaltensstörungen kommen. Schweine beißen sich dann gegenseitig in Ohren oder Schwanz, Hühner verletzen sich durch gegenseitiges Anpicken. Rindern werden beispielsweise aus diesem Grund (und zwecks 'höherer Effizienz') die Hörner abgeschnitten (!) bzw. in heutiger Zeit weggezüchtet.
Durch die Haltung vieler Tiere auf engen Raum ist auch die Gefahr der starken Verbreitung von Krankheiten erhöht. Insbesondere in der Schweinehaltung ist es deshalb oft nötig, in den Beständen Antibiotika einzusetzen, manchmal sogar vorbeugend.
Landverbrauch:
Weltweit werden 26 Prozent der Landfläche für die Weidewirtschaft genutzt. Der Futtermittelanbau verbraucht ein Drittel der weltweiten Ackerflächen. Die Erschließung neuer Weideflächen ist ein wesentlicher Motor der Abholzung vor allem in Lateinamerika.
Überschüsse:
Durch die Massentierhaltung ist es leichter möglich, den Bedarf und die Überschüsse von Nahrungsmitteln mit tierischem Eiweiß zu erzeugen.Überschüsse werden vernichtet, mit Hilfe von Subventionen weiterverarbeitet oder auf dem Weltmarkt, oft unter den Erzeugungskosten, angeboten. Das Anbieten auf dem Weltmarkt beeinflusst die Wirtschaft der Entwicklungsländer.
Der Preisverfall dieser 'Nahrungsmittel' ist eine Ursache für die veränderten Nahrungsgewohnheiten und damit Ursache für die Zunahme von Zivilisationskrankheiten (Herzinfarkt, Übergewicht, etc.) in den westlichen Ländern.
Kleinere Viehhalter können wegen höherer Erzeugungskosten (fehlende economies of scale) und geringen Preisen für die erzeugten Lebensmittel in den Industrieländern nicht mit großen Betrieben konkurrieren, außer wenn sie mit teureren Bioprodukten einen ernährungsbewussten Kundenstamm versorgen. Die Folge ist eine Aufgabe kleiner landwirtschaftlicher Betriebe durch den wirtschaftlichen Druck wegen geringer oder sinkender Preise für die erzeugten Produkte.
Aber auch politische Vorgaben, die sich in Großbetrieben leichter verwirklichen lassen (zB Hygienerichtlinien, Bestandsbetreuung, Dokumentationsvorgaben) führen zur Aufgabe kleiner landwirtschaftlicher Betriebe.
Durch das Anbieten von Überschüssen aus den Industrieländern zu geringen Preisen auf dem Weltmarkt wird auch die Landwirtschaft der Entwicklungsländer beeinflusst: In diesen Ländern wird die landwirtschaftliche Produktion unrentabel, die Landbewohner können ihren Lebensunterhalt nicht mehr erwirtschaften. Die dadurch begründete Abwanderung junger Menschen aus landwirtschaftlichen Gebieten führt zu wirtschaftlichen Problemen und weiterer Konzentration und Wachstumsprozessen. |