Wien - Mit einem dramatischen Aufruf, wonach alle 90 Sekunden ein Wal stirbt, hat die Umweltorganisation WWF auf die Sitzung der Internationalen Walfang Kommission IWC hingewiesen. Der WWF fordert die 75 Teilnehmerstaaten auf, sich wieder dem Walschutz zuzuwenden, anstatt nur um Abstimmungs-Mehrheiten zu schachern.
"Die Abstimmungspielchen müssen ein Ende haben", forderte WWF-Walexpertin Beate Striebel. Konkret gehe es darum, dass die Walfang-Nationen, allen voran Japan, ein Ende des Walfang-Moratoriums fordern. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass Japan vor allem Entwicklungsländer für den Stimmenfang finanziell unterstützt", erklärte die Expertin, welche kritisiert, dass die inhaltliche Arbeit auf den IWC-Konferenzen vollständig zum Erliegen gekommen ist. "Klimawandel, Beifang, Meeresverschmutzung, neue Wal-Schutzgebiete - all diese Themen müssen jetzt angepackt werden", so die Umweltschützerin.
Tötungsfreie Forschung
"Außerdem muss endlich klar gestellt werden, dass es nicht notwendig ist, Wale zu töten, um sie zu erforschen", meint Striebel. Auch das Argument, dass einzelne Länder immer noch behaupten, Wale fräßen zu viel Fisch und seien deshalb schuld am weltweiten Rückgang der Fischbestände, sei absurd. "Die wirkliche Schuld tragen die großen Fischereiflotten", zeigt sich Striebel überzeugt. Wale und Delfine bräuchten den internationalen Schutz so dringend wie nie.
Berechnungen haben ergeben, dass alle eineinhalb Minuten ein Wal stirbt. "Allein in Fischernetzen ertrinken nach WWF-Schätzungen jedes Jahr etwa 300.000 Wale, Delfine und Tümmler", erklärt die Expertin. "Viele Tiere sterben außerdem bei Kollisionen mit Schiffen. Umweltgifte, die unter anderem das Immunsystem und die Fruchtbarkeit der Tiere schädigen, sowie die Gefahren, die mit dem Klimawandel verbunden sind, kommen noch erschwerend hinzu." In der vergangenen Woche hatte eine gemeinsame Studie des WWF und der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDCS gezeigt, dass die Meeressäuger durch die Folgen des Klimawandels heute massiv bedroht sind.