Luxemburg - Seit Jahren warnen Umweltschutzorganisationen vor der Gefährdung der Dorsch-Bestände in der Ostsee. 2006 veröffentlichte der WWF eine Studie, wonach der größte Bestand - in der östlichen Ostsee zwischen Bornholm und Finnland - bereits um ein Drittel geschrumpft sei. Dies könnte nicht nur ökologische, sondern auch dramatische ökonomische Folgen haben, wie der Zusammenbruch der kanadischen Kabeljau-Fischerei Anfang der 90er zeigte.
Die EU hat sich mittlerweile zu Schutzmaßnahmen entschlossen und ein Dorsch-Fangverbot für die Ostsee verhängt. Polen legt sich allerdings quer: Die Regierung in Warschau habe gegen das im Juli für das restliche Jahr erlassene Fangverbot Klage vor dem Europäischen Gerichtshof eingelegt, teilte das EU-Gericht in Luxemburg am Mittwoch mit. Mit einer Entscheidung in einem solchem Fall sei nach etwa 20 Monaten zu rechnen, sagte ein Sprecher - für heuer dürften die Fische damit also trotzdem aus dem Schneider sein.
Die EU-Fischereiminister beraten am Dienstag kommender Woche in Luxemburg über die Fischfangquoten in der Ostsee für das kommende Jahr. Angesichts der schwer reduzierten Bestände sollen die Fangmengen 2008 deutlich sinken. In der westlichen Ostsee soll fast ein Viertel weniger Dorsch gefangen werden als in diesem Jahr. In der östlichen Ostsee soll die Fangmenge im kommenden Jahr sogar um knapp ein Drittel gekürzt werden. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) fordert seit Jahren für die Ostsee erfolglos ein völliges Dorsch-Fangverbot für den Kabeljau.