Colony Collapse Disorder
60 Prozent der Bienenvölker an der Westküste der Vereinigten Staaten sind betroffen, 70 Prozent sogar an der Ostküste. Das unbekannte Bienensterben wird CCD genannt, Colony Collapse Disorder und zeigt immer das selbe Bild: Die erwachsenen Bienen fehlen. Sie sterben irgendwo, draußen. Unüblich dabei ist: Auch die toten Tiere sind nicht auszumachen.
Der Präsident der Östereichischen Imker blickt mit Spannung auf die Verlustmeldungen seiner Kollegen aus den USA. Die Ursachen werden zur Zeit untersucht. In Fachkreisen wird ein Umweltproblem, wie der Einsatz von Insektiziden oder Pestiziden diskutiert. Ebenso wird aber auch abseits der Einzelursachen nach einer Antwort gesucht. Der gesamte Umweltstress könnte den Tieren zu viel geworden sein, eine Immunschwäche die mögliche Folge. Bienen reagieren bekanntermaßen sensibel.
Rebalance Wirkung
Tatsächlich mögen die fleißigen Sammler nicht alles und bleiben manchen Schadstoffen istinktiv fern: "Es gibt Stoffe, die eine Rebalance Wirkung haben. Das ist bei manchen Schädlingsbekämpfungsmitteln der Fall. Leider ist das nicht immer so, sonst hätten wir keine Probleme mit Bienenvergiftungen", relativiert Ulz, "In den Vereinigten Staaten werden noch massiv Insektizide ausgebracht, die sich auch auf Bienenpopulationen negativ auswirken können."
Steirische Imker
Auch die Steiermark hat es heuer erwischt. Von rund 3400 steirischen Bienenvölkern gibt es 200 nicht mehr. Auch hier gilt: Ursache unbekannt. "Da es während der Blüte passiert ist, sind wir davon ausgegangen, dass es von einem Insektizid im Obstbau stammen könnte. Dieser Verdacht war nicht richtig. Es gab auch dort Schäden, wo es keinen Obstbau gibt." Auch die lang anhaltende Trockenheit wird als Ursache vermutet. Die Ergebnisse zu den Untersuchungen werden erst in den nächsten Wochen erwartet.
Handlungsbedarf
Die Pestizidexpertin Lisa Kernegger von Global 2000 sieht schon seit Längerem Handlungsbedarf: "In Europa sind hauptsächlich Deutschland und Spanien betroffen. Eine Ursache sind sicher Pestizide." Global 2000 fordert deshalb, dass es keine Neuzulassungen für neurotoxische Insektizide gibt.
Insektizid Imidacloprid
Besonderes Unverständnis hat Lisa Kernegger bei dem Insektizid Imidacloprid. Dieses wurde von französischen Forschern eindeutig als Bienengift deklariert und daraufhin verboten. Allerdings nur in Frankreich. In den USA und im restlichen Europa kommt es nach wie vor zum Einsatz. "Das ist keine unbekannte Gefahr. Wenigstens da könnte man handeln." Deutsche Imker klagen aber vor allem über die in der Landwirtschaft gängigen Insektizid-Mischungen, die die Bienen dauerhaft schwächen.
Belastung im Honig
"Fliegen Bienen insektizidbelastete Blüten an, dann schafft es die Biene in der Regel nicht mehr nach Hause, um den Nektar abgeben zu können. Deshalb ist die Belastung im Honig gering. Aber es fehlen dann die Flugbienen, das ist tragisch genug," so Josef Ulz der Präsident des Österreichischen Imkerbundes.
Pestizide in Wachs und Propolis
Bei Pestiziden ist die Situation anders. Da können die Tiere überleben. "Manche Pestizide führen dazu, dass die Bienen die Orientierung verlieren und sterben. Diese werden nicht im Honig nachgewiesen. Andere sind aber sehr wohl auch im Honig nachweisbar, in größeren Mengen aber vor allem in Wachs und Propolis," erklärt Lisa Kernegger von Global 2000.
Wie hoch die Belastungen im Österreichischen Bienenhonig sind, ist Josef Ulz nicht bekannt, aber soviel ist sicher: "Unsere Bienen leben nicht unter einer Glasglocke. Man kann in frequentierten Lagen, zum Beispiel bei Autobahnen sehr wohl feststellen, dass der Bleigehalt größer ist."
Fehlende Bestäubung - fehlende Ernten
In den USA wird mit beträchtlichen Ernteausfällen bei Mandelbäumen, Äpfeln und Heidelbeeren bereits gerechnet. Göttinger Wissenschafter haben festgestellt, dass insgesamt 87 der 115 wichtigsten Obst-, Gemüse-, Gewürz- und Ölpflanzen Bienen, Hummeln und andere Insekten zur Bestäubung brauchen.
Würden diese fehlen, so wären mehr als 35 Prozent der Kulturpflanzenproduktion betroffen. Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen oder Mais sind glücklicherweise nicht auf die Insektenbestäubung angewiesen. (Andrea Niemann)
Wissen Bio-Honig
Bio-Honig unterscheidet sich von konventionellem Honig in Produktion und Haltung. So darf zum Beispiel in der Bio Imkerei das Holz nicht mit Pestizidanstrichen gestrichen werden. Der Einsatz von chemisch synthetischen Medikamenten oder Antibiotika ist ebenfalss verboten.
Bio-Honig wird im Unterschied zum konventionellen nur kalt geschleudert. (höchstens 40 Grad Celsius). Aromen und Inhaltsstoffe bleiben dadurch erhalten. Um Schadstoffbelastungen aus der Umwelt zu vermeiden (wie Autobahnnähe) wird vorgeschrieben, wo die Kästen stehen dürfen.
Bioimkern ist nicht erlaubt, den Königinnen die Flügel zu stutzen.