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Der Mensch im Tier ...

alex papagei

Der Papagei Alex ist leider im Vorjahr verstorben ...

Weil Tiere über Intelligenz, Kultur, Moral und Ich-Bewusstsein verfügen, rufen Forscher das Ende der Einmaligkeit des Homo sapiens aus.

Was ist das Besondere am Menschen? Nichts, sagen Forscher. Papageien sprechen, Affen basteln und teilen ihre Gesten mit Kleinkindern.

"Ban-erry" rief Alex, wenn er Gusto auf einen Apfel hatte. Äpfel schmecken für ihn wie Bananen (banana) und sehen wie Kirschen (cherry) aus. Deshalb hat er daraus ein neues Wort gemacht. Als Alex, der Papagei, im Herbst des Vorjahres starb, hatten seine Leistungen unsere Vorstellung von dem, was Tiere können, revolutioniert. Die Verhaltensforscherin Irene Pepperberg begann 1977 mit Alex zu sprechen, um herauszufinden, was in seinem Kopf vorgeht – zu einer Zeit, da Tiere als lebende Automaten galten, die nur auf Reize reagieren, aber weder denken noch fühlen.

Mit geschickten Experimenten weisen Forscher immer deutlicher nach, dass die Krone der Schöpfung gar nicht so einmalig ist. "Nichts, was wir tun, ist wirklich einzigartig", sagt Frans de Waal nach drei Jahrzehnten intensiver Beobachtung von Schimpansen und Bonobos. So wurzelt etwa das Gespür für Richtig und Falsch auch im Tier: Ein Zooschimpanse etwa ertrank lieber selbst, als ein Jungtier untergehen zu lassen. Natürlich sei diese Moral nicht mit der menschlichen vergleichbar, sie habe sich aber sicher daraus entwickelt, meint de Waal.

Übermensch am Ende
Komplexe soziale Leistungen als Domäne des Menschen, maximal einiger Primaten? Je genauer Verhaltensforscher hinschauen, desto mehr Gegen-Beispiele finden sie. Was also soll das Besondere am Menschen sein? Lange dachte man, die Fähigkeit, Werkzeuge zu gebrauchen. Doch dann mussten Forscher zusehen, wie Schimpansen Sandalen und Sitzkissen aus Ästen bastelten; wie Krähen Metalldrähte zu Haken bogen, um damit nach Futter zu stochern, und wie Lippfische Seeigel auf einem Amboss knackten. Viele Verhaltensforscher sind inzwischen sicher, dass fast alle Tiere die physikalischen Eigenschaften von Dingen einschätzen können.

Als letzte Bastion der Menschlichkeit ist nur die Sprache geblieben. Denkste! Zwar begünstigt unsere Anatomie die offenkundige Seite von Sprache – das was aus unserem Mund herauskommt. Aber Sprache ist nicht an Sprechen gebunden. Viel wichtiger sind die im Gehirn verborgenen Mechanismen. Gesten, Schreie und Laute sowie ihre Kombination – Forscher hören jetzt genauer hin und stellen fest: Das sind beredte Signale.

Wissenschaftler der Universität Toronto verglichen die Gesten von einjährigen Kindern mit denen von Affen. Und siehe da: Beide kommunizieren identisch – inklusive Füße in den Boden stemmen, wenn ihnen etwas nicht passt.

Auch die Alarm-Ruf verschiedener Tierarten entpuppen sich als ausgefeilt: Der Unglückshäher meldet nicht nur Raubfalken, sondern teilt Artgenossen auch mit, ob der Falke friedlich sitzt, fliegt oder attackiert. Und Klaus Zauberbüler von der University of St. Andrews hat gar Ansätze von Syntax – grammatikalische Regeln, nach denen wir Worte kombinieren – entdeckt: Affen von der Elfenbeinküste nützen einfache Syntax, um Feinde zu klassifizieren – etwa Adler oder Leopard.

Der Wiener Verhaltensforscher Ludwig Huber wiederum hat im Rahmen einer EU-Studie mit Kollegen aus ganz Europa nachweisen können, dass nicht nur Menschen lernen, indem sie sich bei anderen etwas abschauen: "Tiere sind uns ähnlicher als wir lange dachten; die Unterschiede liegen in der Ausformung der Fähigkeiten. Wie wir sprechen, ist einzigartig; Kommunikation, Zeichensprache und Verständigung haben aber viele Spiel-Arten."

Das sieht Tier ähnlich Kanzi ist einer, der schon in jungen Jahren Englisch lernte. Heute ist er 27, kommuniziert mit fast 400 Symbolen auf einer Tastatur, versteht Tausende Worte, und er ist ein Bonobo. Er macht Werkzeuge und variiert die Methode, je nach Härte des Steins. Er spielt Klavier und improvisiert schon mal mit dem Musiker Peter Gabriel. "Lasst uns nur 15 Generationen lang mit Bonobos zusammenleben", sagt dazu William Fields vom Great Ape Trust, "dann gäbe es keine großen Unterschiede mehr zwischen Mensch und Affe."

Übrigens: Fields vermutet, dass Kanzi schon heute Englisch spricht, "aber so schnell und mit so hoher Stimme, dass wir ihn nicht verstehen."

Was uns Menschen bleibt
Feuer und Kochen Tiere haben eine eingebaute Angst vor Feuer, die unser Vorfahre, der Homo erectus, aber vor etwa 1,9 Millionen Jahren überwunden hat. So wurde er auch zum Kochpionier.

Kunst Obwohl schon viele Affen, ja sogar Elefanten, die Kunstwelt mit ihrer abstrakten Malerei verzauberten – zum naturalistischen Abbild sind nur Menschen fähig.

Humor Zwar lachen Schimpansen, Gorillas und Ratten – für Humor aber bedarf es komplexer sprachlicher Fähigkeiten.

Religion Der Glaube an Übernatürliches gehört uns auch alleine – wahrscheinlich. Denn bei Elstern hat man schon Begräbnisrituale beobachtet, die auf Trauer-Gefühle schließen lassen.

Sport Alle sozialen Tierarten spielen, aber Sport mit komplexen Regeln, Schiedsrichtern und begeisterten Zuschauern kennt keine Tierfamilie.

Quelle: "Kurier" - 06.07.2008

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